Wirksamkeit von Bionator, Funktionskieferorthopädie usw. zu Zeiten von Fake News

Bei Anfragen wären folgende Angaben zur Person hilfreich:
A) Patient (Alter?)/ Eltern/ Lehrkräfte/ Zahnarzt / Zahntechniker/ Therapeuten o.ä.
B) Schon in Behandlung / Erst- bzw. Zweit-Behandlung suchend / unbetroffen interessiert o.ä.
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Wirksamkeit von Bionator, Funktionskieferorthopädie usw. zu Zeiten von Fake News

Beitrag#1von ruebezahl » 11. Jul 2018 22:50

Liebe Leser!
Die Kontroverse steht im Raum, welche Zahnspangen-Art wie wirksam, effizient, wirtschaftlich … oder gesundheitsfördernd ist?
Vorweg:
Wo liegt bei Kieferorthopädie überhaupt die Grenze zwischen „medizinisch sinnvoll“ und „Schönheitskorrektur“, für die die Krankenkassen die Gelder ihrer Beitragszahler zu Recht nicht verwenden sollten?
Außerdem haben wir es hier, von seltenen angeborenen Fehlbildungen abgesehen, mit einer Zivilisationskrankheit zu tun. Naturvölker haben praktisch keine schiefen Zähne und Bissanomalien, solange sie keine industrielle Nahrung essen.
Zivilisationskrankheiten sind indessen Brot und Butter für den teuren Medizinbetrieb, wie wir ihn kennen.

Im erneuten Ringen um Kassenzahlung, Privatpatienten und Selberzahler, seit der Bundesrechnungshof im April 2018 die Kosten von Zahnspangen moniert hat, stehen hier einige unten folgende Thesen zur kritischen Reflexion an, die von Dr. Madsen, Ludwigshafen, gebündelt werden.

Von früher bis heute:
Die Kassen zahlten nach einem Urteil des Bundessozialgerichtes von 1972 Zahnspangen für alle. Damals kostete eine im Kindesalter auf 3 Jahre ausgelegte Behandlung etwa 3000 DM. Erwachsenen-Kieferorthopädie war bei uns noch unüblich, und bei der Trage-Moral herrschte Laissez-faire.
Damals kamen auf viele Kinder wenige Kieferorthopäden, sodass es stellenweise schwierig war, überhaupt bei einem angenommen zu werden.
Dann kam der „Pillenknick“ usw., das Verhältnis hat sich umgekehrt und verführte etliche Kieferorthopäden dazu, Behandlungen aufzublähen und aus dem einzelnen Patienten mehr herauszuholen. Laut Bundesrechnungshof haben sich die Kosten für kieferorthopädische Behandlungen, einschließlich selbstgezahlten, zwischen 2008 und 2016 abermals fast verdoppelt.

These: >> Herausnehmbare Zahnspangen versagen zu 30 - 50% (sei es durch Boykott, mangelnde Wirkung oder raschen Rezidiv) <<
Schritt für Schritt: Schon als herausnehmbare Spangen bei uns noch Regelversorgung waren (primär Platten und Aktivatoren, s.u.), führten die Kassen gegen die vielen abgebrochenen Behandlungen („was nichts kostet, ist nichts wert“) 20% Selbstbehalt ein, der erst bei erfolgreich abgeschlossener Behandlung erstattet wird. Dies begünstigte den Markteintritt der festen Bracket-Spangen. Dadurch stiegen die Kosten, darauf folgte das KIG-Gesetz, wonach die Kassen nur noch bei hinreichender Indikation für Kieferorthopädie aufkommen.
Ein Gutmensch ist, wer nun denkt, die einfacheren Fälle würden folglich als Selberzahler mit kostengünstigen Methoden umworben.

Ist jedoch der Ansatz, dass bequemere herausnehmbare Spangen besser getragen werden, so absurd? Wie z.B. auf dem Gebiet der Vorschubdoppelplatten die Pro-Stab-Platten nach Jähnig http://www.sanfte-zahnklammern.de/fallb ... /stab.html, die zudem mehr Behandlungsaufgaben zur gleichen Zeit leisten können, für die vielbeschworene „Effizienz“.
Auch der Siegeszug der Aligner seit Mitte der 0er-Jahre straft die angeblich schlechte Wirksamkeit herausnehmbarer Spangen Lügen - ob als solche oder durch Trage-Boykott.
Aligner für das bleibende Gebiss können jedoch Funktionskieferorthopädie (s.u.) und Platzgewinn in der Wachstumsphase nicht hinreichend ersetzen.

Besitzstandswahrung ist allerdings weitverbreitet.
Außerdem ließ die Qualität, in der herausnehmbare Zahnspangen konstruiert waren und gehandhabt wurden, mit der Verbreitung der Bracketspangen sukzessive nach. Hieß es z.B. 1995 bei Jähnigs Pro-Stab-Platten noch lapidar, ein Teil der Behandlungen wurde mit fester Apparatur beendet und ein Teil herausnehmbar zuende geführt, so bauen seit etwa 20 Jahren viele Kieferorthopäden allen Patienten Bracketspangen ein, ganz egal ob leichte oder komplexe Fehlstellung. Kein Wunder, wenn vorweg verabreichte herausnehmbare Zahnspangen dann minderwertig sein können, ohne dass es ins Gewicht fällt.

Aber trägt es zur Erhellung der Wirtschaftlichkeits-Kontroverse bei, diese Technik nicht (mehr) korrekt und umfassend zu handhaben - egal ob unbewusst, fahrlässig oder bewusst, und dann öffentlich zu verbreiten „Funktioniert viel zu schlecht und ist herausgeworfenes Geld“?
Dr. Madsen empfiehlt schon lange feste Spangen als „zeitsparend für Eltern“ und blendet dabei Fehlerquellen aus, die in tausenden von Praxen in der breiten und nicht immer sorgfältigen Anwendung fester Spangen zu Notfällen führen. Wobei abgelöste Brackets noch das Harmloseste sind.
„Glaube nur den Zitaten, die du selbst aus dem Zusammenhang gerissen hast“:
da kippt er https://www.madsen.de/2017/11/07/www-sa ... rthopaedie die lieben Eigenschaftenswörter, die er auf meiner Seite eingesammelt hat, zusammenhanglos auf den einen Haufen, und die bösen auf den anderen, ohne deren Hintergründe dabei. Aber auch Einzelfälle zählen - wenn man selber, oder das eigene Kind betroffen ist. Da sollte man Risiken nicht kleinreden.
Wenn ich andererseits den Fortschritt einer Technik oder eines Produktes umreiße, dann besteht der Zusammenhang, mehr gute Eigenschaften zu vereinen und schlechte zu verringern.

These: >> Herausnehmbare Zahnspangen sind für Behandler eine Goldgrube <<
In einem typischen Behandlungsplan (keine Frühbehandlung) mit erst herausnehmbaren und danach festen Bracketspangen, ggf. samt Peripherieteilen wie einer „intra-/extraoralen Verankerung“, erhöhen die festen Spangen die Einnahmen des Arztes pro (Kassen-)Patient auf das 2,5- bis 3-fache im Vergleich zu „rein herausnehmbarer Behandlung“ (keine Aligner). Oder eine Behandlung mit festen Spangen allein wäre auf dieser Basis 1,5- bis 2-mal so teuer (ohne Nebenkosten).

Indessen kritisiert Dr. Madsen, herausnehmbare Spangen seien doppelt so profitabel wie festsitzende. Ein Widerspruch, der sich aufklärt, wenn man „profitabel“ auf die benötigte Leistung (= Arbeit pro Zeiteinheit, in der Physik) bezieht. Dann wären lose Spangen trotz geringem Vergütungssatz profitabler, nämlich im Verhältnis der wenigen „Stuhlzeit“, die sie beanspruchen. Aber nur unter der Voraussetzung, dass es für einen solchen „fliegenden Wechsel“ auf dem Behandlungsstuhl genug Kinder gibt. Oder genug erwachsene Aligner-Patienten.

Verschiedene Patientengruppen haben verschiedene Bedürfnisse.
Dauern Behandlungen mit festen Spangen, wie er behauptet, in den Niederungen der Praxen wirklich bloß 1-2 Jahre, während es nur mit herausnehmbaren Spangen nicht selten 5-10 Jahre braucht?? Behandlungsmethoden so gegeneinander auszuspielen, dass es nur noch eine geben soll und andere diskreditiert werden, ist für Wirtschaftlichkeits-Erwägungen oder für „evidenzbasierte Medizin“ nicht nötig.

Für die Wirksamkeit ist nicht zuletzt entscheidend, ob ein Arzt die Methode beherrscht. Zur Zeit der Jahrtausendwende reiste ich in einem Nachtzugabteil, in dem auch britische Schüler waren: zwei mit Bracketspangen, und zwei mit krass verwachsenen Gebissen.
Es wäre wäre ein Verlust, wenn es bei uns keine Qualifizierung mehr für weitere Behandlungsmethoden gäbe.

These: >> Gaumennahterweiterung (GNE, Gaumennahtsprengung) ist gut verträglich und effizient <<
Diese alten „fest unter den Gaumen gebauten Schraubstöcke“ galten bis zur Jahrtausendwende als Spätfall-Methode und in vielen KFO-Praxen als Ultima Ratio (letztes Mittel).
Danach wurden sie zur Frühbehandlung von seitlichem Kreuzbiss, einseitig oder beidseitig, verbreitet, oder zur Behandlung von frontalem Kreuzbiss noch eine primitive Außenspange exhumiert (Gesichtsmaske, Delaire-Maske) und daran gekoppelt. Bereits wenn frontal bloß eine Kreuzbisstendenz besteht (Kopfbiss), erwägen manche Behandler heute diese Kinder-Marter, statt herausnehmbarer Alternativen.
"Glaube nur der Statistik, die du selbst manipuliert hast:"
Dr. Madsen hebt auf eine schwedische Studie ab, laut der zur Verbreiterung des oberen Zahnbogens feste Zahnspangen wirtschaftlicher seien, und somit herausnehmbare Dehnplatten demgegenüber unwirtschaftlich wären. Unter der Prämisse, dass Eltern vor lauter Hamsterrad keine Zeit für achtsame Kieferorthopädie ihrer kleinen Kinder erübrigen wollen, und sie dann lieber einer schmerzhaften oder in glimpflichem Fall hinderlichen festen GNE-Apparatur oder Quadhelix ausliefern. Ich nenne das kalte Verwertungslogik.
„Nur wer als Kind selbst ausreichend wahrgenommen wurde, kann als erwachsener Mensch andere Menschen wahrnehmen.“ (aus dem Zusammenhang: für finanzielle Anerkennung von Familienarbeit).
Wie mögen diese Kinder also später für ihre Eltern da sein, wenn sie alt und hilfsbedürftig werden?
Welche Zielgruppen und Altersklassen wurden betrachtet, und welche Milieus? Auch Kinder von Eltern, die nur kleine Jobs haben oder arbeitslos sind und nicht der Zeit hinterher rennen, haben mal einen Kreuzbiss.

Leider werden Patienten(-Eltern) auch oft mit der für Kinder-Behandlungen absurd anmutenden Behauptung konfrontiert, herausnehmbare Zahnspangen zur Oberkiefer-Weitung würden stattdessen nur die Backenzähne nach außen kippen. Sie fußt auf einem Gedankengebäude, in dem sich eine gehemmte Kieferentwicklung nicht anregen ließe, und wo daher auch keine Funktionskieferorthopädie (nächste These) funktionieren würde. Oder, mit einem modischeren Begriff, keine Epigenetik auf diesem Gebiet.
Allenfalls bei „Überdosierung“ der Kräfte kommt es zur Kippung. Aber nach dieser Logik müsste man auch alle Arzneien bannen, bei denen eine Überdosis schadet!
Nach einer älteren schwedische Studie (mit kleiner Stichprobe), wo eine Klinik mit Quadhelix und eine andere mit Dehnplatten arbeitete, zeigten sich zudem im Erwachsenenalter insgesamt wenig Rückfälle, aber nach Quadhelix mehr als nach Platten.

Gaumennahterweiterung (GNE) gegen Bettnässen?
(aufgrund verbesserter Nasenatmung):
Auch Ganzheitliche berichten von verbesserter Nasenatmung oder gar verbesserten schulischen Leistungen bei ihren mit Bionator (und ggf. Crozat) behandelten Patienten. Nur eben nicht so Effizienz-effekthascherisch schnell.
Selbst wenn sich jemand dermaßen in Eile fühlt: um Schnelligkeit von GNE und Dehnplatte zu vergleichen, sollte man bei jener die monatelange Verheilungsphase des traumatisierten Hartgewebes mitrechnen, wenn man sich nicht in die eigene Tasche lügen will.
Planbare Ergebnisse zu planbaren Terminen, statt möglicher Hängepartien und Erfordernis von flexibler Planung: um welchen Preis? Kindern dafür Schmerzen und Risiken aufbürden?
Hier knüpft besonders die unschöne invasive Methode an, feste Zahnspangen mit neumodischen Schrauben im Kieferknochen zu verankern. Um die Risiken dabei zu handzuhaben, profitiert diese „skelettale Verankerung“ von Erkenntnissen aus der Implantatprothetik. Also vom Zahnersatz der teureren Art, der keine schlechte Presse gebrauchen kann und bei dem daher Vorsicht waltet.
Insgesamt gibt es im kaltschnäuzigen Medizinbetrieb aber keine Haftung für angerichtete Schäden (angefangen bei erzeugter „Zahnarztangst“), die drastischen Methoden als Risiken innewohnen. Sofern diese Methoden „anerkannt“ sind - und dafür sorgen dann Lobbyisten.

These: >> Funktionskieferorthopädie ist eine Irrlehre <<
In Zeiten von Fake News behagt es, sich in einer passenden Filterblase einzunisten, die groß oder klein sein kann und einem Bestätigung gibt. Auch Echokammer genannt, oder in Vor-Internet-Zeiten die gute alte „selektive Wahrnehmung“. Mehr über dieses Phänomen steht z.B. in diesem Artikel https://www.oekologiepolitik.de/2017/11 ... fake-news/
Eine solche Filterblase ist es vermutlich, in der
-- herausnehmbare Spangen, bis auf einzelne Ausnahmen oder minimale Effekte, unwirksam sind
-- ein „vernebelter brauner Sumpf“ weiterhin für Funktionskieferorthopädie (FKO) eintritt.
Funktionskieferorthopädie erhebt den Anspruch, mit dem Wachstum zu arbeiten.
Mag ja sein, dass das den Nazis gut ins Konzept gepasst hat.
Hitler mochte Hunde und putzte sich die Zähne. Darf man sich dann nicht die Zähne putzen und muss man Hunde hassen und Funktionskieferorthopädie für eine braune Irrlehre halten, damit man kein Nazi ist? Das ist doch verquere Logik!
Zumal sich die FKO nach der Nazidiktatur nicht auflöste, sondern mit den geburtenstarken Jahrgängen (Babyboomer-Generation) weiterentwickelt wurde.

Der Kinetor nach Stockfisch und der Funktionsregler nach Fränkel stammen übrigens NICHT vom Aktivator (Andresen / Häupl) ab, der starren und mit alter Herstellung klobigen Urform eines FKO-Gerätes. Wobei feste Zahnspangen jener Ära (Band-Bogen-Apparatur, Multibandapparatur) durch zu hohe Kräfte schadensträchtig und nicht nur bei Funktionskieferorthopädie-Anhängern in Misskredit waren, sondern auch bei Entwicklern von aktiven Platten oder der noch älteren Crozat-Methode.
Heutzutage erscheinen auch Kinetor und Funktionsregler klobig, mit den Materialien, die man damals hatte. Heute könnten konfektionierte FKO-Geräte aus Elastomeren oder individuelle neue (bzw. besser erforschte alte) Bauformen die Mundmuskulatur anregen und diese Kräfte auf eine Ausformung der Zahnbögen und eine Normalisierung der Bisslage umlenken. Dabei könnten sie sich mit Tragezeit-Anforderungen begnügen, die auch Ganztagsschülern passen.
Leider liegen diese gewiss nicht kostspieligen Techniken in ziemlichem Dornröschenschlaf. Ein Schelm (oder ein Verschwörungstheoretiker), der Böses dabei denkt?
Erfahrung: auch ich habe in meiner Kindheit Funktionskieferorthopädie „genossen“, die meinen Tiefbiss mit einer vollen Prämolarenbreite Unterkiefer-Rücklage in Normalbiss überführt hat. Wie man einen solchen Tiefbiss schon bei seiner Entstehung von seinen Ursachen her hätte angehen können, sei dahingestellt. Jedenfalls war mein FKO-Gerät starr, aber mit dem damaligen Geschick so eingeschliffen, dass es währenddessen die hochwachsenden Seitenzähne gleich in eine normale Verzahnung lenkte.
Dieser wirtschaftliche Trick unterbleibt heute oft, bei bimaxillären Geräten und erst recht bei Vorschubdoppelplatten. Die Seitenzähne werden buchstäblich „kurzgehalten“, fast wie bei einem festen Herbstscharnier, damit der nach Umstellung der Kieferlage klaffende seitliche Biss eine Bracketspange rechtfertigen soll.
Hingegen beschrieb z.B. Jähnig bei seinen Pro-Stab-Platten (s.o.), wie damit ein Hochwachsen der Seitenzähne möglich bleiben kann. Auf einfache Weise können Vorschubdoppelplatten zeitgleich mit dem Unterkiefer-Vorschub auch den oberen Zahnbogen erweitern. Effizient? Davon wird auch nicht mehr oft Gebrauch gemacht, um stattdessen weitere Geräte einzusetzen.

These: >>Kieferorthopädische Behandlung anzufangen, wenn noch Milchzähne da sind, ist (bis auf 5% der Fälle) Beutelschneiderei <<
Das mag unter den beiden oben diskutierten Annahmen, das herausnehmbare Zahnspangen wenig taugen würden und dass man sowieso nicht mit dem Wachstum arbeiten könne (anti-funktionskieferorthopädisch), folgerichtig erscheinen.
Aber wie sollte man so einen Wirtschaftlichkeits-Nachweis ehrlich führen?
Sämtliche Zahnbehandlungs-Kosten aufaddieren, die bei verschiedenen Patienten-Gruppen ohne jegliche Zahn-/Kieferkorrektur oder für Behandlungskonzepte mit verschiedenen Zahnspangen-Arten anfallen, und das auch langfristig danach? Wirkt sich Kieferorthopädie gar auf den Bedarf an Zahnersatz aus?
Zeigen sich Unterschiede bei der Rückfallhäufigkeit?
Kleberetainer zur „lebenslänglichen“ (jahrzehntelangen) Fixierung der gerichteten Frontzähne waren jedenfalls früher unbekannt. Sie wurden in die Erwachsenenbehandlung eingeführt, auf Kinder- und Jugendbehandlung ausgebreitet und erschweren die Zahnhygiene auf lange Zeit. Kostenfaktor?
Sollte auch die Dauer der Retentionsphase ehrlicherweise mitzählen, wenn Zahnspangen-Arten gegeneinander ausgespielt werden?
Jedenfalls können belastbare, langfristige Wirksamkeitsnachweise von hoher Signifikanz nicht so schnell und nebenbei erbracht werden, sondern erfordern Forschungsgelder.

Derweil sieht man in den Medien nicht mehr so häufig Bracket-Münder wie noch vor einigen Jahren (bevor die große Flüchtlingswelle kam?), jedoch wieder öfter leicht schiefe oder auf Lücke stehende Zähne.

Behandlungskonzepte abseits des Üblichen, der Vollständigkeit halber:
Einzelne Praxen bieten Früh-Therapien ohne eigentliche Zahnspangen, die, teils mit konfektionierten Hilfsmitteln, eine schlechte Gebissentwicklung frühzeitig auffangen und normalisieren sollen.
Andererseits gibt es heute Kieferorthopäden, die schon Grundschulkindern im frühen Wechselgebiss (8 frische Schneidezähne mit noch empfindlichem Schmelz) bei banalen Fehlstellungen gern Bracket-Spangen einbauen.

Nachworte: Gesundheit ist etwas Individuelles.
Sanfte oder „alternative“ Methoden haben vielleicht nicht bei so viel % der Patienten einen schnell messbaren Erfolg, aber durch weniger Folgeschäden vielleicht doch mal mehr Wert für die Gesundheit.
Dr. Madsen bezichtigt mich einer USA-feindlichen oder gar „völkischen“ Verschwörungstheorie gegen feste Zahnspangen. Und dass ich zur Schuhreparatur unfähig wäre. Dabei habe ich auch schon Dank von Leuten bekommen, denen ich qualifizierten Schuh-Kleber geborgt hatte.
Auch damit, dass er glaubt, ich hätte meine gelernte qualifizierte Berufsausübung an den Nagel gehängt, ist er falsch gewickelt. Die stammt aus Zeiten, als man noch an Technik für die Zukunft glaubte. Und Zeitverträge enden, ohne dass es einer Kündigung bedarf.
Bei seinem Rat, ich solle mir wieder auf dem Gebiet einen Job suchen, das ich mal studiert habe, wird nochmal diese kalte Verwertungslogik spürbar.
Aber in Staaten, wo ein Studium teuer ist, ist (Hochschul-)Bildung offenbar kein Kulturgut, sondern eine Investition, die Eltern in ihre Kinder tätigen - so wie ein Hollywood-Gebiss dank fester Zahnspange auch, und die sich amortisieren muss. Koste es unsere Lebensgrundlagen, was es wolle.

Ob andere Mentalität oder nicht, so ein Chefgehabe (auch: Alphatier-Verhalten), das vielen Ärzten eigen ist, tut dem gesellschaftlichen Miteinander auch nicht gut. Während z.B. in der Astronomie oder Archäologie die Beiträge von Amateuren geachtet werden, nennt Madsen meine Tätigkeit anmaßend, selbstüberschätzend, und fehlgeleitete Intelligenz.
Ein jeder wirke in seinem Fach, empfiehlt er. Aber wer erkennt dann (Fehl-)Entwicklungen in einem größeren Zusammenhang?
Ich kenne meine Grenzen. Ob auf studierten Gebieten oder als Autodidakt, macht dabei keinen wesentlichen Unterschied.

Pauschal USA-feindlich? Auch in diesem großen Land gibt es Alternativen, wenn auch selten. Z.B. „integrative orthodontics“ (Sammelbegriff). Oder Gegenden, die öko sind. Sowie neuere Geschäftsmodelle für dortige Kundenkreise, die auf aktiven Platten basieren. Wie z.B. die DNA-appliance http://www.dnaappliancetherapy.com, die sich auf Epigenetik beruft, und eine weitere zeige ich hier im Forum in Kürze. Wie das heute so ist, enthalten sie oftmals patentierte Bauteile.
Auch das italienische FGB-Gerät, das ich für fortschrittlich halte, ist leider keine Freeware. Zur freien Nutzung publiziert wurde früher, als Forschung noch nicht so an Drittmitteln hing.

Um Missverständnissen vorzubeugen:
Wer Kapitalismus kritisiert, ist deswegen noch lange nicht gegen Marktwirtschaft.
Jeder ist ein Kind seiner Zeit: aktive Kriegsgeneration, Flakhelfer-, Nachkriegskinder, 68er-, Babyboomer, Generation Golf, Generation X, Generation Praktikum, Millennium-Generation, Generation Smartphone - und bald Generation Sofahopper?

Also: wo wollen wir hin? In eine lebenswerte Zukunft! Stichwort Gemeinwohl-Ökonomie.
Dr. Larissa Dloczik (Rübezahl)
Kassel, den 11.07.2018
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Wirksamkeit von Dehnplatten, Zahnspangen zur Frühbehandlung (Kreuzbiss, Progenie)

Beitrag#2von ruebezahl » 16. Jul 2018 21:33

Liebe Leser,
zur obigen Kontroverse über den Wert von rechtzeitiger kieferorthopädischer Behandlung, insbesondere mit aktiven Platten / Dehnplatten, Bionatoren und anderen herausnehmbaren Zahnspangen, folgt hier noch
eine ZUGABE aus fachkompetentem Blickwinkel:
Brief an die ARD zum Beitrag mit Dr. Madsen
Dort stecken noch ganz andere Enthüllungen über die Miesmache drin, die gegen diese Methoden betrieben wird.
Verantwortlich für diesen Artikel ist der Autor (wie üblich).

Gute Arztsuche,
Dr. Larissa Dloczik (Rübezahl)
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