Teil 1: .. an Ihrem Kind mal was ausprobieren?: Pendulum, ..

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Teil 1: .. an Ihrem Kind mal was ausprobieren?: Pendulum, ..

Beitrag#1von ruebezahl » 24. Aug 2008 19:04

Liebe Leser,
Feste Spangen und deren Rattenschwanz von Gaumennaht-Sprengung, Delaire-Maske, Headgear, Quadhelix, Herbstscharnier (und ähnlichen Einbauten), Pendulum (und ähnlichen Einbauten), festen Aufbissen oder gar Knochenpiercing in diversen Varianten machen den Löwenanteil der aktuellen kieferorthopädischen Fachliteratur und der Fortbildungsangebote aus.
Der Weg des Einsickerns ist dabei immer der gleiche:
erst für Problemfälle, dann für Jugendliche, dann für Behandlungen mit regulärem Beginn, dann für Frühbehandlungen im frühen Wechselgebiss und dann, wo es geht, sogar im Milchgebiss.
Aber er beschleunigt:
Während die Bracket-Spangen 15 bis 20 Jahre brauchten, um die früheren Methoden in Deutschland gründlich wegzudrängen,
liegt das Herbst-Scharnier schon nach etwa 5 Jahren gut im Rennen, und das interdisziplinäre Knochenpiercing hat sich seit etwa 3 Jahren seuchenartig ausgebreitet:
Frühjahr 2005 kam es in einem Vortrag von mir noch nicht vor, Sommer 2005 als kurzer Einschub, 2007 füllte es dann 1 Schaubild, und inzwischen habe ich 2 Schaubilder damit voll.
Dabei gingen Experimente an Uni-Kliniken der Anwendung in den niedergelassenen Praxen etwa 10 Jahre voraus (siehe unten).

Ein Verfechter von Gewalt gegen Kinder, äh, Nichtmitarbeitstherapie, hat weitere Versuche mit dem Pendulum an noch jüngeren Kindern veröffentlicht (für seine Versuche mit dem Herbstscharnier-wertigen FMA, siehe Teil 2).
Einer 9-Jährigen mit beengten 2er-Lücken, noch im frühen Wechselgebiss, hat er erst ein Pendulum und eine Mini-Bracketspange auf die 1er eingebaut, um die Lücke dazwischen („Diastema“) zu schließen. Die 2er erschienen trotzdem ca. 3mm vorstehend – denn das Pendulum dehnt ja nicht, und die Baustelle im Mund soll ja weitergehen: in 4 Monaten hatte das Pendulum die 6er gut 2 mm zurück gezwungen. Doll! Dann wurde es auf unbestimmte Zeit durch eine ebenfalls hinderliche Quadhelix zur Querdehnung und Fixierung der 6er ersetzt. Diese Fehlstellung ähnelte jener eines 8-Jährigen, bei dem ein Kieferformer des Schmalkiefer-Typs mit 2 Lückenöffnern Erfolg hatte, samt Querdehnung, weil dieser Typ verbreiterte Rampen oben innen hat. Auch ein Diastema kann man mit den 2er-Lückenöffnern „umschichten“. Diesem Jungen wollte übrigens ein Kinder-Zahnarzt auch eine Quadhelix einbauen!
Eine 7-Jährige mit minimalem (!) Platzmangel hat obiger Pendulum-Fan erstmal 1/2 Jahr damit (befestigt an oberen Milchmolaren) und mit Lingualbogen unten malträtiert. Die Bänder an den 6ern hatten, wie üblich, überflüssige Armaturen auf der Wangenseite, die oft Löcher in die Wangenschleimhaut schaben.
Die nur leicht schiefen Schneidezähne wurden mit je 4 Brackets oben und unten gerichtet.
Anschließend wurde das Ergebnis mit einer festen Nance-Platte fixiert, wohl auf mindestens 3 Jahre hinaus, bis zum Abschluss des Zahnwechsels. Die Hygiene der oberen 6er wird dadurch dauerhaft erschwert, so dass am Zahnfleischsaum nicht nur Karies droht, sondern der kaum entfernbare Zahnbelag auch das Zahnfleisch irreversibel zum Rückgang bringen kann.
Dies ist keineswegs die totale Schnellbehandlung, sondern Behandlungsmaximierung: Macht zusammen nämlich 5 recht belastende Apparaturen für ein kleines Kind, bei dem 2 gut konstruierte Platten, so wie in dem Fallbeispiele-Kapiteln gezeigt, wohl auch geholfen hätten. Vielleicht hätten gar 1 bis 2 kostengünstige Kaukraft Kiefer-Former hier ausgereicht, notfalls auch in Selbsthilfe, wobei der erste eventuell Lückenöffner haben sollte.
Was kann man noch ausprobieren? Z.B. das Pendulum, statt es mit 4 Drahtärmchen an 4 Zähne zu kleben, direkt an den Gaumen dübeln und die Drahtärmchen so einzusparen? BINGO! Ebendieses zeigt der gleiche Täter am Gipsmodell eines bleibenden Gebisses mit moderat beengten Eckzähnen (beileibe kein Eckzahn-Hochstand; Crozat oder Z-Platten könnten da durchaus helfen).

Zwei andere Betreiber ziehen gleich, indem sie Kindern im Wechselgebiss-Stadium stattdessen einen Distal-Jet unter den Gaumen dübeln: 3 Opfer, die einen ziemlichen Platzverlust für einen oder beide Eckzähne aufweisen. Also hier keine Bagatellen, sondern die bräuchten mit sanften Methoden einen Könner. Jedoch kommt so eine Platzeinengung auch nicht über Nacht...
Varianten mit 1 oder 2 Gaumendübeln werden gezeigt, sowie mit kleinen Metallarmen oder mit angedübelter Plastikplatte, unter der die Gaumenhaut weiß erscheint.
Manche dieser Kiefer sehen auch schmal aus, wogegen der Distal-Jet NICHTS tut, während eine Platte mit Distal- und Dehnschrauben zwar langsamer, aber simultan arbeiten könnte.
Der eine dieser Artikel ist über „Risikomanagement“ (welch ein Wort) des Knochenpiercings, für das es z.B. selbstbohrende Schrauben gibt oder solche, die man vorbohren muss. Wie wärs mal mit Risikovermeidung? Die ist offenbar nur dort üblich, wo fahrlässig Geschädigte Schadenersatz bekommen können (der eine geschädigte Gesundheit aber auch nicht aufwiegt). Siehe hierzu auch meine neulichen Entdeckungen beim IQWIG.

Ein vierter Betreiber lässt sich seine Lehrgänge, wie toll und easy das mit diesen Mini-Implantaten geht, nicht von einem Hersteller organisisieren, sondern von einer Landeszahnärztekammer (derselben, die früher übliche Kursangebote über aktive Platten eingestellt hat). Und in einem Allgemeinzahnärzte-Blatt werden sie gelobt:
um einzelne Zähne weiter aus dem Kiefer hervor zu ziehen, oder tiefer in ihn hinein zu drücken. Alternativen siehe nicht nur unten in www.sanfte-zahnklammern.de/spangen/gera ... istea.html sondern auch in grazilerer Crozat-Technik würde das gehen, sowie zur Intrusion (Hineindrücken) in günstigen Fällen auch mit dem günstigen Kaukraft Kiefer-Former.
Weiterhin bedroht sind nun Patienten, wo die Aufrichtung gekippter Zähne vor dem Einsatz einer Brücke ansteht. Dies war noch lange Zeit die Domäne von Platten, und auch Crozat war für diese sog. präprothetische Kieferorthopädie beliebt.
Die Knochenschraube kann entweder direkt oder über einen weiteren Zahn mit dem zu bewegenden Zahn verbunden werden. Das ist mittlerweile kostengünstiger als die volle Einrüstung des Gebisses - wenn auch nicht günstiger als Platten, aber die werden verschwiegen, oder verrissen, falls ein Patient danach fragt. So gab es an diesem Standort Anfang des Jahres schon 600 Opfer, und die Hersteller entwickeln kräftig weiter.

Von Düsseldorf, Hannover und Berlin geht es zum
fünften Betreiber-Verbund in München, Zürich und Erlangen. Statt einzelner Schlangenlöcher ist das Knochenpiercing längst ein FLÄCHENBRAND, und auch die neuen Bundesländer sind nicht verschont.
Schon vor 5 Jahren hat dieses Betreiber-Netz mit in der Knochenchirurgie gebräuchlichen Teilen an 8- bis 12-jährigen Kindern experimentiert:
das Zahnfleisch wird aufgeschnitten und unterhalb der Zahnwurzeln weit genug vom Knochen gelöst, um die L- oder T-förmigen, eigentlich für Knochenbrüche konzipierten „Osteosyntheseplatten“ mit 2 Schrauben an den Unterkieferknochen zu schrauben. Dann wird zugenäht bis zum Oberende, das aus dem Fleisch tritt und so gekürzt wird, dass es den Zusammenbiss nicht stört.
Ein 11-jähriges Opfer mit 5er-Nichtanlagen und sonst nur minimalen Fehlstellungen dient als Paradebeispiel kieferorthopädischer Arbeitsbeschaffung:
die Milch-5er werden gezogen, obwohl sie an Krone und Wurzel intakt sind und auch keinerlei Engstand besteht.
Das ganze Gebiss wird eingerüstet und beiderseits diese Schrauberbleche einoperiert, um an den Oberenden, die vor den 3ern aus dem Fleisch ragen, Zugfedern zu den 6ern einzuhängen. Da die Verzahnung ihr Nach-vorne-ziehen aber behindert, werden dem Kind auch noch große Kausperren (Aufbisse als Fertigteile) hinter die Zähne geklebt. Seine Kaufähigkeit ist also so lange, wie es braucht, um die etwa 7mm weiten Milchmolaren-Lücken zuzuziehen, zu gutem Teil lahmgelegt! Früher nahm man für sowas, wenn man die Milch-5er nicht erhalten konnte, in deutschen Praxen Platten mit Zugschrauben - während das Betreiber-Netz als Alternative Außenspangen angibt. Dann ging man dazu über, den Platten für kurze Zeit eine Bracketspange (ohne Zusätze) folgen zu lassen...
www.sanfte-zahnklammern.de/fallbeisp/ni ... htanl.html
zeigt auch, wie 100%ig ganzheitliche Behandler Nichtanlage-Lücken zuwandern lassen, so viel oder so wenig die Zähne eben wandern wollen. Das lässt ohne viel Aufwand ein vielleicht nicht perfektes, aber auf längere Sicht stabiles Ergebnis erwarten. Außerdem zeigte Bimler im August 08 ein Titelbild „Ohne Tierversuche!“, wohingegen o.g. Uni-Komplex vor den Kinderversuchen natürlich Tierversuche gemacht hat.

Weitere kieferorthopädische Arbeitsbeschaffung: Mundhygieneprobleme bei Spaltpatienten
Der Artikel aus Berlin 2005 zeigt 2 stark deformierte enge Oberkiefer. Der eine ist sehr minderbezahnt und trotzdem mit Quadhelix und Bracketspange eingerüstet. Also, die von Tränkmann veröffentlichten Spaltpatienten sahen nicht so verwachsen aus. Weil er mit seinen Platten kontinuierlicher dranblieb? Ich erinnere mich auch nicht, dass er da über Mundhygieneprobleme schrieb. Auch Fränkel hat mit seinen Funktionsreglern Spaltpatienten behandelt, und sogar Spaltpatienten in Brasilien aus einem Bimler-Vortrag sahen nicht so schlimm aus.
Aber hier haben sie inzwischen wohl Platten und FKO gleichermaßen verlernt (außer vielleicht für eng begrenzte Aufgaben). Denn schlimmer noch als o.g. Fälle gegen Ende des Zahnwechsels, misshandeln sie ein Opfer, das nach dem Unterkiefer zu urteilen 5 oder 6 Jahre zart sein muss, mit Gesichtsmaske und Gaumennahtsprengung (an Kappenschiene in der Kauebene liegend, die Zunge nach unten verdrängend), und beklagen sich dann über Zahnbeläge und Karies-Frühstadien.
Nichtstun / Brachialmethode / Nichtstun / Brachialmethode / Nichtstun / Brachialmethode ist wohl nicht nur bei Spaltpatienten zur Devise geworden. Wurde doch ein 6-jähriges Kind (ohne Gaumenspalte) gleich in 2 Praxen nacheinander mit dieser Tortur bedroht, und die erste davon hätte es ihm am liebsten schon im Alter von 4 angetan!
Zwar sind LKG-Spalten (Lippen-Kiefer-Gaumen-) viel seltener als z.B. Nichtanlagen oder Progenie, aber in der Fachliteratur überrepräsentiert. Aber WO kriegt man im Falle eines Falles nun noch „sparsame“ Chirurgie, ohne dass man sein Kind damit gleich in die gesamte Behandlungsmaximierungs-Mühle gibt? In anthroposophischen Kliniken? Ganzheitliche Oberexperten um Rat fragen?

Trotz allem fand ich noch einzelne LICHTBLICKE in den Fachartikeln:
- Tränkmanns fortlaufende Aktivität
- Sanfte Progenie-Behandlung kooperativer Kinder in Ankara.
- 2003er Bilder von fröhlichen TrägerInnen der Pro-Stab-Platten. Manche davon weisen Federn zur Schneidezahn-Korrektur auf, und das nicht nur in frühen Fällen. Da gibt es also noch richtige Platten, die keine Sparversionen sind.

Weiter mit Teil 2,
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