Behandlungsmaximierung bei Nichtanlage; Qualitätszirkel

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Behandlungsmaximierung bei Nichtanlage; Qualitätszirkel

Beitrag#1von ruebezahl » 26. Mai 2009 13:38

Liebe Leser,
beste Bewertungen bekam ein internationaler Referent für einen Vortrag zur interdisziplinären Versorgung von Nichtanlagen.
Perfektion
soll das Verkaufsargument für Privatpatienten und deren Kinder sein! Aber welche körperlichen und finanziellen Belastungen oder gar Schäden ihnen auf jenem langen Weg dahin drohen, den der Referent vortrug, wird heruntergespielt.
Nicht nur, dass Nichtanlage-Lücken bei ihm operativ mit Implantat-Zahnersatz versorgt werden sollen, statt z.B. mit Zahnsubstanz sparenden Klebe- oder Inlay-Brücken. Sondern diese Lücken sollen von Kindesbeinen an über die Jugend bis zum endgültigen Ausgewachsen-Sein aufwändig zurechtgemacht werden, weil nämlich Implantate mehr Ansprüche an die Knochendicke stellen als Brücken.
So sollen 2er-Lücken über 5 Jahre lang offengehalten werden: ob jetzt mit einer provisorischen 1-flügeligen Klebebrücke? Oder mit einer „schaukelnden Hängebrücke aus Retainerdraht“ hinter der Lücke? Anderswo berichteten Klebebrücken-Experten von jungen Patienten, die solche provisorisch gedachte Versorgung als Dauerlösung bevorzugten, statt sich für Implantate unter den Knochenbohrer zu legen. Die Klebebrücken scheinen mir in ähnlicher Weise von Implantaten verdrängt zu werden, wie herausnehmbare von festen Spangen verdrängt worden sind.

Milch-Eckzähne empfiehlt dieser Dozent bei 2er-Nichtanlage frühzeitig zu ziehen, um die bleibenden Eckzähne möglichst dicht an die 1er wandern zu lassen. Dies aber nicht etwa, um mit dieser verkürzten, geschlossenen Zahnreihe minimalinvasiv weiter zu arbeiten (vergl. Fallbeispiel
www.sanfte-zahnklammern.de/fallbeisp/ni ... htanl.html )
Sondern, um die Eckzähne dann mit festen Spangen wieder an ihre Sollpositionen zu zwingen. Diese aufwändige Prozedur soll den Implantaten angeblich ein gutes Knochenbett bereiten. Aber weil Eckzähne große Wurzeln haben, braucht ihr Zurückzwingen bestimmt Zusatzteile, und das werden bei diesem Behandlungskonzept für Kinder von Reichen keine billigen Headgears sein, sondern Inneneinbauten oder Knochenpiercing. Über Knochenpiercing hat er nämlich auch schon referiert.

Über die Möglichkeit, die deutlich kleineren Milch-Eckzähne an die Positionen der fehlenden 2er zu lenken und später als bleibende 2er zu verkleiden, wurde nichts erwähnt. Falls ihre Wurzeln nicht lebenslang halten sollten, könnte man später immer noch implantieren oder eine Klebebrücke einsetzen oder eine Lücke haben – je nachdem, in welcher Situation der Patient und das kranke Gesundheitssystem in Jahrzehnten dann sein werden. Wer traut sich, das vorherzusagen?

Da ist zeitnahes Geldverdienen doch besser. Um von den 2er- zu den 5er-Nichtanlagen zu kommen, empfiehlt er dort natürlich nicht, Nachfolger-lose Milch-5er stehen zu lassen, so lange sie halten. Sondern falls sie im Knochen festgewachsen sind, kann der chirurgische Kollege gleich mitverdienen, indem er sie mit Schonung der dünnen Knochenwände herausoperiert, um so dem Dritten im Bunde des sogenannten interdisziplinären Qualitätszirkels, dem Implantologen, ein besseres Bett zu machen. Aber nicht an Ort und Stelle, denn der Kieferorthopäde des Trios will ja auch noch was und schafft angeblich einen noch besseren Implantat-Platz, wenn er den 4er um 1 volle Zahnbreite an den Platz des fehlenden 5ers zwingt und der Kollege an dessen alten Platz das Implantat einschraubt. Unter uns: sollte dieses weite Zurückzwingen die Wurzel des 4ers abgebaut haben, dann könnte der Implantologe später nochmals tätig werden. So wäre kurz- und langfristig gedacht.
Die empfohlenen Prozeduren erinnern an die Mühsal von Erwachsenen, die als Kind der 4-Zähne-raus-und-feste-Spange-rein Methode unterzogen wurden, davon Beschwerden bekommen haben, und denen dann mit erneuter fester Spange die Lücken wieder eröffnet und mit Implantat-Zahnersatz versorgt werden. Wobei die restlichen Zähne und das Zahnfleisch doppelt strapaziert und entsprechend verschlissen werden.

Also, Volksmedizin sieht anders aus. Sie ist im herrschenden Krankheitssystem leider für Ärzte weder finanziell verlockend noch prestigeträchtig, sondern braucht Idealismus und sparsamen Praxisbetrieb. In den USA gibt es Ärzte, die Nothilfe für die Armen leisten und dabei heldenhaften Stoff für Fernsehserien geben, aber die für viel Stress wenig verdienen, im Gegensatz zu der einer Sorte Ärzte dort: den Privatärzten für Reiche.
Ein Branchenkenner befürchtet auch bei uns eine weitere Entwicklung in diese Richtung. Einer anderen Meldung desselben Mitteilungsblattes zufolge sinkt die Zuzahlungsbereitschaft zu Zahnersatz vor allem in Gegenden, die von der Autoindustrie oder dem Bankgewerbe abhängen. Überhaupt können sich viele Leute state-of-the-art Zahnersatz nicht mehr leisten, und verschiedentlich wird Rentnern für Implantat-Zahnersatz, der ja regelmäßige Wartung braucht, die Rente aus der Tasche gezogen.
Ein Grund mehr, seine eigenen Zähne möglichst lange zu erhalten.
Auch Akupunktur-kundige Zahnärzte lehnen weiträumiges kieferorthopädisches Verschieben von Zähnen ab. An die Akupunktur-Lehre kann man glauben oder nicht, aber wenn eine zahnärztliche Praxis sowohl Akupunktur als auch feste Spangen mit weiträumigem Zahn-Verschieben anbietet, sieht das folglich aus, als ob dort Geld vor Gesundheit käme.

Viele Grüße, hordeotech
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