Ganzheitliche Kieferorthopädie in Australien (aber ja!)

Bei Anfragen wären folgende Angaben zur Person hilfreich:
A) Patient (Alter?)/ Eltern/ Lehrkräfte/ Zahnarzt / Zahntechniker/ Therapeuten o.ä.
B) Schon in Behandlung / Erst- bzw. Zweit-Behandlung suchend / unbetroffen interessiert o.ä.
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Ganzheitliche Kieferorthopädie in Australien (aber ja!)

Beitrag#1von ruebezahl » 1. Okt 2017 16:35

Werte Leser (endlich mal wieder),
wenn Kiefergeplagte im Netz suchen, finden sie manchmal ferne Dinge. Wo jemand kräftig Reklame macht - oder wo gezielte Suche tatsächlich Interessantes hervorholt.
Über sanfte Kieferorthopädie „downunder“ wusste ich vorher nur, dass es dort nach Dr. John Flutter konfektionierte Trainer in Verbindung mit Atemtherapie gibt.
Während solche konfektionierten Trainer verbreitet sind, fand eine Sucherin aber noch ein individuelles ganzheitliches System in Australien, das hohe Ansprüche erfüllt:
„Herausnehmbare“ Behandlung mit dem SOMA-Gerät nach Dr. Joseph Da Cruz http://www.wholisticdentistry.com.au/soma-info.html (mit sehenswerten Fallbeispielen).
SOMA steht für „Splint, Orthodontic, Myofunctional Appliance“, Patent angemeldet.
Sie ermöglicht eine einphasige Behandlung, das heißt, vieles zugleich zu tun.
Alte europäische Platten-und-Aktivator- oder ganzheitliche Crozat-und-Bionator-Vollbehandlungen sind demgegenüber zweiphasig. Oder vollständige Crozat-Behandlung ist ihrerseits dreiphasig (http://www.sanfte-zahnklammern.de/fallb ... /cro3.html), und auch Bracket-Techniken sind mehrphasig.
Eine Retentionsphase zählt dabei noch extra. Sie ist jedoch nach echter ganzheitlicher Kieferorthopädie, die rein mit mundraum-eigenen Kräften abgeschlossen wurde, nicht nötig. So kommt auch die SOMA-Methode ohne oder nur mit einer kurzen Retention aus.
Wird ein naturgesunder Mundraum erreicht und gesunde Ernährung angewöhnt, dann schaffen es auch schon Frühbehandlungen oft, späteren Bedarf an weiterer Kieferorthopädie zu vermeiden.

Das SOMA-Gerät ist für den Oberkiefer und wird außer in Australien auch in Neuseeland, England, Hong Kong und den USA vertrieben. Für den Unterkiefer werden bei Bedarf gut gebaute aktive Platten verwendet, die das Herstellerlabor auch liefert.
Um einphasig wirken zu können, vereint das SOMA-Gerät folgende Funktionen:
(a) 3-Wege-Schraube (Bertoni-Schraube), um Raum in der Breite und frontal zu gewinnen. Überdies lassen sich frontale Engstände bessern, indem der Rand zugeschliffen wird: die „Orthodontic“ Zahnkorrektur-Funktion, auch im Zusammenspiel mit (d).
Die Weitung des Oberkiefers vergrößert zudem die nasalen Atemwege, für eine gesündere Atmung Tag und Nacht.
Dabei wird die recht dicke 3-Wege-Schraube im SOMA-Gerät höher gaumenwärts angeordnet als üblich. Dies ermöglicht die nächste Eigenschaft,
(b) eine Aussparung, die den Vordergaumen samt Zungenpunkt frei lässt, um die Zunge an ihre richtige Position zu führen. Eine bessere Zungenlage bewirkt auch eine bessere Kieferhaltung: die „myofunctional“ Funktion. Sie ist z.B. beim Bionator nach Balters von zentraler Bedeutung, wobei im Original die Zunge sogar alle Kieferweitung leisten soll, ohne Dehnschrauben oder -federn.
SOMA-Geräte können auch noch ein Zungengitter gaumenseitig aufweisen, wo die Zunge nicht anliegen soll.
(c) Der Plastikkörper erstreckt sich als Aufbiss über die Kauflächen der Seitenzähne, oder auch über die Schneiden der Frontzähne. Dies ist die Funktion als „splint“ (Schiene) und entlastet die Kiefergelenke. Überdies ist der Aufbiss nicht glatt, sondern der Einbiss der Unterkiefer-Zähne ist dort so eingeprägt, dass er die Kieferhaltung bessert, als weitere „myofunctional“ Eigenschaft.
Diese Technik kommt z.B. auch im deutschen http://www.reguflex.de System nach Kuklinski (München) vor, dort aber eher an Unterkiefer-Zahnspangen.
(d) Ein besonders gestalteter Draht verläuft um die Außenseiten der Zähne, um die Schneidezähne und Eckzähne einzureihen, für die orthodontische Funktion. Zu sehen z.B. in Fall C und D der o.g. Seite, wobei er bei Bedarf um kleine Einzelzahnfedern ergänzt wird. Bei D gibt es an einem verlagerten Eckzahn sogar einen zahnfarbenen Griff (Attachment), als Auflagepunkt für ein Federchen.
(e) Der Plastikkörper des SOMA-Gerätes ist flexibel (Tiefziehtechnik?), damit er nicht den spezifischen Puls der Schädel- und Rückenmarksflüssigkeit und ihr Zirkulieren behindert. Dieses Manko wird starren Dehnapparaturen nachgesagt, besonders wenn sie, wie eine Gaumennahterweiterungs-Apparatur (GNE), fest eingebaut sind.
Außerdem sind leichte Kräfte für die Zahnbewegung auf lange Sicht effektiver als höhere Kräfte, weil diese den nötigen Gewebeumbau alsbald erschöpfen. Dies findet auch in manchen Bracket- oder Aligner-Systemen Anwendung sowie bei den ganzheitlichen ALF-Geräten, die auf der alten Crozat-Technik basieren.
Typen: das SOMA-Standardgerät heißt Typ 1. Demnach existieren auch in diesem System weitere Typen für spezielle Fälle, wie z.B. Progeniebehandlung („Class III“ Fälle dort, kein Gerät gezeigt).
Tägliche Tragezeit: je nach Alter und Schwere nur nachts, in Teilzeit oder Vollzeit (bis 22/24 h, auch für schnelleren Behandlungsfortschritt).
SOMA entfaltet die Zahnbögen und die gesamte Mundpartie, was sich manchmal schon bald nach Therapiebeginn abzeichnet.

Dortiges Titel-Fallbeispiel:
Situation nach schlechter Bracketbehandlung mit Zähneziehen in der Jugend.
Die Patientin hat nur noch 24 Zähne, von denen die vorderen eng schief stehen. Außerdem zieht die „Spitzfront“ des Oberkiefers weitere Probleme nach sich:
-- eingeschränkte Abbeiß-Funktion
-- erschwerter Lippenschluss
-- Zwangsführung des Unterkiefers nach hinten, was die Okklusion verschlechtert und die Kiefergelenke komprimiert
– dies hat hier Knirschen und Muskelverspannungen zur Folge.
Schon 3 Monate SOMA-Behandlung ergaben eine deutlichen Besserung. Die gesamte Behandlung dieser motivierten Patientin dauerte nur 1,5 Jahre, mit SOMA-Gerät oben und vermutlich aktiver Platte unten.
Zum Vergleich: ein leichterer Spitzfront-Fall mit den ersten 3 Problemen ist die junge Patientin in http://www.sanfte-zahnklammern.de/fallb ... w/erw.html (aktive Platten), wo die frühere kieferorthopädische Behandlung unbefriedigend, aber immerhin nicht zerstörerisch war.

Dortiges Fallbeispiel B: enge Kiefer!
Schlecht-Kieferorthopädie würde diesem jungen Mann 4 gesunde Zähne ziehen oder die Gaumennaht brechen oder beides.
SOMA-Gerät und untere Platte, zum Raumgewinn nach vorn, sind gezeigt.
Die Weitung des Nasenraumes wirkte sich positiv auf die gesamte Atmung und die sportliche Leistungsfähigkeit dieses Patienten aus. Ein Effekt, der auch bei anderen Behandlungen von unterentwickeltem Oberkiefer beschrieben wird, z.B. mit dem Bionator (bessere schulische Leistungen) und leider auch von manchen Verfechtern der Gaumennahtsprengung.
Schlecht-Kieferorthopädie hätte auch diesem jungen Patienten nicht nur Zähne, sondern die Gesundheit insgesamt geschädigt.

Fälle für Vorbehandlung?
Sofern die Zahnbogenseiten von der Schienen-Eigenschaft des Gerätes komplett eingefasst werden, vermag es omega-förmige Oberkieferbögen, die bei unterentwickeltem Oberkiefer mit Kreuzbiss häufig sind, nicht auszubeulen. Mag es hierfür ein spezielles SOMA-Gerät geben, oder Vorbehandlung mit einer Dehnplatte (aus flexiblem Material) und/ oder nichtapparativen Methoden.

Auch wenn es dieses Gerät bei uns nicht gibt, mag diese Information helfen, um echte gesundheitsfördernde und ganzheitliche Kieferorthopädie von vermeintlicher zu unterscheiden.
Gute Lektüre,
Rübezahl
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Re: Ganzheitliche Kieferorthopädie in Australien (aber ja!)

Beitrag#2von JulianeV. » 5. Okt 2017 21:11

Echt interessant. Ich hoffe, das kommt bald auch nach Deutschland.
JulianeV.
 
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