Zähneziehen: krankmachende Schrottmethoden sterben nicht aus

Bei Anfragen wären folgende Angaben zur Person hilfreich:
A) Patient (Alter?)/ Eltern/ Lehrkräfte/ Zahnarzt / Zahntechniker/ Therapeuten o.ä.
B) Schon in Behandlung / Erst- bzw. Zweit-Behandlung suchend / unbetroffen interessiert o.ä.
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Zähneziehen: krankmachende Schrottmethoden sterben nicht aus

Beitrag#1von ruebezahl » 14. Mai 2013 14:53

Werte Leser, besonders Eltern ohne Vorerfahrungen mit Zahnspangen!

Ein Überbiss kommt landläufig durch Unterkiefer-Rücklage, das heißt, im Backenzahnbereich beißen die größeren „Stößel“ der oberen Molaren (großen Backenzähne) nicht in die „Mörser“ der rechteckigen unteren Molaren, sondern dazwischen.
Zwar kann man auch damit gesund alt werden, und abgenutzte Kauflächen wären reparabel. Aber in der Wachstumsphase wäre die ursächliche Behandlung, das weitere Kieferwachstum zur Normalbisslage zu beeinflussen. Vor etwa 90 Jahren entdeckten Andresen und Häupl dafür die nützliche Funktionskieferorthopädie.

Heute überall üblich?
Mitnichten, wie folgender Fall einer noch nicht annähernd ausgewachsenen 13-Jährigen zeigt:
Zuerst hatte sie durch eine Gaumennahtsprengung (mit 9 oder 10 Jahren, mangelhafte Aufklärung wie üblich) einen Höcker auf der Nase entwickelt.
Nun hat sie einen zu spitzen Oberkiefer ähnlich der 19-Jährigen in diesem Beispiel, aber mit vorderen Engständen oben stärker als unten, so dass kein so großer horizontaler Überbiss besteht, der den Lippenschluss erschwert.

Statt solch ursächlicher Behandlung wollte die Gaumennahtsprenger-Kieferorthopädin (in wohlhabender Gegend) ihr aber nun die oberen 4er ziehen lassen und die Oberkieferfront in die Restlücken hineinzwingen. Eine verstümmelnde Methode, die den Fehlbiss im Kauflächenbereich und das oft fliehende Kinn so lässt und überdies auch noch die Oberlippenpartie eindellt! Sie stammt aus den USA aus der Zeit vor der Funktionskieferorthopädie und sollte längst ausgestorben sein! Laut medizinischen Historikern fanden Weiße damals eingedellte Mundpartien schön, um sich von den Gesichtszügen der Schwarzen abzugrenzen. Ich bezweifle aber, dass heute dort ein Orthodontist solch eine Körperverletzung noch wagt. Denn im dortigen „Gesundheitssystem“ können sich Leute, die sich große Kieferorthopädie leisten können, meist auch einen Anwalt leisten, und anders als hier verdienen Anwälte dort mit Gewinnbeteiligung und können daher sehr ehrgeizig werden.
Patienten, die nach Bracketspangen-Behandlungen auch ohne Zähneziehen Beschwerden entwickelt haben, weil ihre Kiefer dabei schmaler wurden oder zu schmal blieben, finden sich allerdings hier wie dort.
Ein schick veröffentlichter Fall mit liebevoll gezüchtetem Engstand (während der Wachstumsphase) und dann Zähne ziehen und mit Teuerbrackets in Form zwingen kam mir allerdings aus Kanada unter, wo es gar keine richtige Opposition zur neoliberalen Verwertungslogik gibt. Der Täter muss die Eltern eingesponnen und sich dann dämlich verdient haben!

Hier sind o.g. Leute hingegen geflüchtet, weil auch die Mutter 4er-Zieh-Kieferorthopädie erlitten hatte und ein eingeengtes Mundgefühl hat. Eine andere Patientin hat nicht durch Zähneziehen, sondern durch 2er-Nichtanlagen oben 2 Zähne zu wenig, und in ihrer Jugend wurden die Lücken gewaltsam mit fester Spange geschlossen. Weil dies oft die Oberkieferfront kürzer und spitzer macht, spürt sie nun die gleichen Symptome und lässt die Enge derzeit nun aufdehnen (mit Crozat). Erst, wenn es sich für die Zunge und den Spielraum des Unterkiefers besser anfühlt, sieht man dann weiter, wie man mit den Lücken ästhetisch umgeht (Zahnverbreiterung?).

Sie wollten dann ihr Glück bei der nächsten Uni-Klinik versuchen.
Deren Behandlungsplan, von üblicher KFO-Software eindrucksvoll aufgeblasen, sieht stattdessen Bracket-Spangen mit hinderlichem Herbstscharnier vor!
Auch die Spee-Kurve (Bissebene ist gebogen, nicht flach) wird wieder einmal wie ein krankhafter Befund aufgeführt, eben weil die Fertigdrähte-Bracketspangen sie einebnen („nivellieren“), unter unnötigen Schmerzen und Zahnwurzel-Belastungen), und spätere Kiefergelenkbeschwerden können die Folge sein. Denn warum lernen Zahntechniker, die Zahnersatz bauen, eine eventuelle Spee-Kurve dabei zu berücksichtigen?
In der profitorientierten Kieferorthopädie fällt eine Spee-Kurve hingegen in die Rubrik der erfundenen Krankheiten.

Also: unvermindert wachsam bleiben!
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Pendulum nach Gaumennahtsprengung: Weisheitszähne versenken

Beitrag#2von ruebezahl » 22. Mai 2013 09:45

Werte Gemeinde, zwei Nachträge hier:
1)
Nicht nur die Gaumennahtsprengung brachte im obigen Fall ein schlechtes Gesamtergebnis. Im Anschluss daran war der jungen Patientin noch ein ähnlich hinderliches Pendulum eingebaut gewesen, das die 6er nach hinten zwingt, um auf Kosten der Weisheitszähne vorne Platz zu schaffen. Dieser war hier offenbar nicht von Dauer, wie nun das Zähnezieh-Ansinnen zeigt. Die Eckzahn-Enge ist wieder da, und zudem ist der Oberkiefer vorne zu schmal. Die Weisheitszähne wurden dabei jedoch unter die 7er „versenkt“.
2)
In der Herbstscharnier-trächtigen Uniklinik, wo sie dann als nächstes angeschmiert waren, kennt man das „Weisheitszähne-Versenken“, aber will in der Ausbildung der Studenten vom Pendulum nicht lassen, obwohl dort auch Distalplatten verfügbar sind.
Beides plante man dort nämlich für den 11-jährigen jüngeren Bruder, aber vorher die Weisheitszähne herausoperieren - in diesem Alter!
Sowie eine Teil-Bracketspange (Utility-Bogen) am Pendulum, dann volle Bracketspangen mit Lingualbogen, dann ein kariesträchtiger Kleberetainer.
Damit die etwa 15 umstehenden Studenten all das üben können und in ihren Heimatländern später etwas davon anwenden können, ob dort nun herausnehmbare-Spangen-Expertise vorhanden ist oder ob es nur Fertigteile gibt.

Zur Behandlungsmaximierung mit Pendulum oder Distal-Jet (ähnlich, aber patentiert) bei Kindern im frühen Wechselgebiss-Stadium (Schneidezähne gewechselt) fand ich in Fachpublikationen stolz gezeigt:
-- Distal-Jet oben, Teil-Bracketspange unten, der Oberkiefer blieb dabei unvermindert spitz
-- Pendulum und Teil-Bracketspange, dann Nance-Apparatur oben, und Lingualbogen mit Teil-Bracketspange unten: 5 feste Spangen statt 2 aktiven Platten!

Dabei wäre dies eigentlich das beste Alter für eine Hilfestellung zum Gesundwachsen. Leider zahlen es die gesetzlichen Krankenkassen außer in besonderen Fällen dann noch nicht, und privat Versicherten droht eine Behandlungsmaximierung eher.
Zum Glück finden sich aber immer wieder auch Allesmacher-Zahnpraxen, wo man mit aktiven Platten oder mit konfektionierten Trainern umzugehen gelernt hat und dieser Altersklasse damit eine preisgünstige, gesunde Selberzahler-Kieferorthopädie bieten kann. Oder aufrichtige Ganzheitliche mit moderaten Preisen.

In einer meiner Partnerpraxen zeigen sich oft Kieferorthopädie-geschädigte Patienten, auch mit instabilen Bisslagen.

Wieder einmal habe ich den Eindruck, dass - nach Wohnungen, Nutztieren, Ackerböden, Wasserversorgung usw. - nun auch Patienten zu Investment-Objekten verkommen, aus denen maximale Profite generiert werden sollen. Zuviel „virtuelles Geld“ ist im Umlauf, das Banken in Form von Krediten aus dem Nichts geschaffen haben, und das nun zerstörerisch wirkt.

Falsche Vergütungsanreize im Gesundheitssystem, verschärfter Wettbewerb und schwindende öffentliche Mittel fokussieren den Medizinbetrieb auf profitable Behandlungsmethoden. In deutschen Kliniken wird zuviel operiert, z.B. auch künstliche Hüft- oder Kniegelenke: wo es profitable invasive Methoden gibt, werden die rechtzeitige Vorbeugung und die nichtinvasiven Methoden vernachlässigt. Schon mit Google sind sie dann schwer aufzuspüren, zwischen der Chirurgie-Werbung von allen Seiten. Wikipedia ist immerhin frei von offener Werbung.

Dieses Thema nimmt kein Ende,
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