Zu spät, oder doch noch nicht?

Bei Anfragen wären folgende Angaben zur Person hilfreich:
A) Patient (Alter?)/ Eltern/ Lehrkräfte/ Zahnarzt / Zahntechniker/ Therapeuten o.ä.
B) Schon in Behandlung / Erst- bzw. Zweit-Behandlung suchend / unbetroffen interessiert o.ä.
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Zu spät, oder doch noch nicht?

Beitrag#1von Julemule » 3. Sep 2012 19:13

Hallo zusammen!

Unsere Tochter (fast 14) benötigt eine Zahnspange. Das erste Mal waren wir vor ca. 2 Jahren bei KFO...Kommentar abwarten. Beim nächsten Besuch, war ein anderer KFO da, der unsere Tochter untersuchte, rummotze, wegen angeblich schlechter Zahnpflege (was definitiv nicht so ist) und meinte lose Klammern würden nix bringen, eine feste müsste her und bitte noch 4-5 Zähne ziehen.
Also ab zum nächsten KFO hier in der Kleinstadt. Zumindest laut HP warb er mit losen Klammern. Unsere Tochter wurde untersucht, Röntgenaufnahmen/Abdruck wurden gemacht. Heute sollten wir zur Behandlungsbesprechung kommen.

Diagnose: OK: ausgeprägter Frontengstand mit Dreh- und Kippständen, transv. Zahnbogenenge
UK : Frontengstand mit Dreh-und Kippständen, transv. zahnbogenenge
Bisslage: große sag. Stufe, Scherenbiss 27/37
KiG Einstufung D5

Behandlung: OK: Extr. 4er max. Verankerung, Zahnbogen ausformen,Frontengstand nach distal auflösen, Front retrudieren und Lücken schliessen
UK: Extr. 5er Lückenschluss primär von distal, Zahnbogen ausformen frontengstand nach distal auflösen

verwendete Geräte : MB, HG, Ret.geräte (was auch immer das alles ist)

Ich habe direkt gesagt, dass ich eine Zahnextrahierung von 4 Zähnen nicht möchte, er meinte dann nur, dass er ohne keine optimale Korrektur herstellen könnte. Er hat mir den Behandlungsplan mitgegeben, soll ihn beim nächsten Termin unterschrieben zurückbringen.
Ich ärgere mich, dass wir (vermutlich) viel zu lange mit einer Behandlung gewartet haben und es jetzt vielleicht zu spät ist. Ehrlich gesagt haben uns auch die hohen Kosten vor 2 Jahren doch sehr abgeschreckt, denn das war zu einer Zeit wo wir uns eine private Zahlung der Zahnspange definitiv nicht leisten konnten. Leider arbeiten hier alle KFO mit festen Spangen, zumindest konnte ich keinen ganzheitlich arbeitenden ausfindig machen.
Was sollen wir nun machen ? Zähne ziehen lassen will ich auf keinen Fall und so schief können die Zähne auch nicht bleiben. Ich wäre auch bereit eine weitere Strecke zu fahren für einen guten KFO, wenn mir denn jemad einen empfehlen
würde. dann könnte ich näcmlich meine beiden Jüngeren mitnehmen, denn sie benötigen laut KFO auch eine zahnspange, aber er möchte noch abwarten. (Wahrscheinlich so lange, bis es wieder zu spät ist!)
Danke schön fürs Lesen.
Alexandra
Julemule
 

Immer wieder: Verschleppen, bis es schlimm ist

Beitrag#2von ruebezahl » 3. Sep 2012 20:30

Hallo Julemule-Alexandra,
da seid ihr einer verbreiteten Profitmache-Unsitte zum Opfer gefallen.
Gerade habe ich meinem Schweden-Thema noch Beobachtungen aus der Schweiz angehängt: dort, wo auf Staatskosten behandelt wird, tut man es lieber frühzeitig.

MB heißt übrigens Multibracket, HG heißt Headgear, und gesunde Zähne ziehen ist schädlich.
Also bei dem bloß nicht unterschreiben!
Schick mir eine Mail mit deinem Einzugsbereich, Kontakt über http://www.sanfte-zahnklammern.de/impre ... essum.html

Sanfte Methoden gehen in Spätfällen zwar langsamer, aber brauchen auch seltener Termine, und machen kaum Notfälle, so dass eine längere Anfahrt relativ ist. Auch Nebenkosten für verschärfte Zahnhygiene-Maßnahmen entfallen, und die Ergebnisse sind nach gewaltfreier Behandlung stabiler. Sollte das Restwachstum dennoch nicht mehr genug Platzgewinn hergeben, kann man am Schluss noch Zähne schmaler schleifen und dadurch noch pro Kiefer 2 -3 mm dezentral gewinnen.

Eine Rückbisskorrektur („große sag. Stufe“) noch mit 17 ist hier:
http://www.sanfte-zahnklammern.de/fallb ... tor17.html Aber diese Patientin war wohl mit 17 noch nicht ausgewachsen und daher ein günstiger Fall.
Gleichzeitig Platz schaffen und Rückbiss korrigieren ginge z.B. hiermit: http://www.sanfte-zahnklammern.de/fallb ... /stab.html (habe dafür leider keine Anbieterliste).
Und Engstand bei Erwachsenen ist hier korrigiert, gewusst-wo: http://www.sanfte-zahnklammern.de/fallb ... n_erw.html

Echte ganzheitliche Kieferorthopädie liegt oft versteckt zwischen vielen Allgemeinzahnpraxen, weil nur eine Minderheit ihrer Anbieter als Fach-Kieferorthopäden firmiert.
Vielleicht haben wir Glück mit einer nahen Adresse.
Ansonsten haben auch schon Leute Fahrgemeinschaften gemacht, aber mit 3 Kindern wärt ihr bereits eine, ob mit Auto oder ÖPNV.
Auch Preisverhandlungen könnten sich lohnen („Mengenrabatt“).

In Erwartung eurer Nachricht,
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Re: Zu spät, oder doch noch nicht?

Beitrag#3von Gast » 3. Sep 2012 21:06

Danke schön, Mail ist raus. Ich habe dem KFo noch gesagt, dass ich nicht weiß welche negativen Auswirkungen die fehlenden Zähne später auf den Kiefer und das gesamte Skelett haben werden. Außerdem hat unsere Tochter sowieso schon sehr enge Nasengänge und schnell Probleme in diesem Bereich. Das muss ich nicht noch fördern, indem ich ihr ein paar Zähne ziehen lasse und den Kiefer noch kleiner mache.
Was den Profit angeht...die KFOs sprechen sich hier sicherlich ab, haben zumindest alle gleiche Preise.
Bei der sanften Methode ist es doch so, dass die KK nichts dazu zahlt, oder?
Gast
 

Herausnehmbare Zahnspange für 14-Jährige auf Kasse: durchaus

Beitrag#4von ruebezahl » 4. Sep 2012 10:51

Nochmal hallo,
Adressen habe ich gerade geschickt.
Schwein gehabt, dass eure Region insgesamt gar nicht so übel dasteht.

Die Nasengänge wären bei der Zähnezieh-Profittherapie noch weiter verengt worden:
„Frontengstand nach distal auflösen, Front retrudieren und Lücken schliessen“
Im Klartext: Schneide- und Eckzähne nach hinten zwingen, samt der Strukturen, die über ihnen liegen. Das würde diesen Teil des Schädels auch noch deformieren, statt die UK-Rücklage ursächlich zu beheben. Und keiner schafft es, die Verursacher solcher Gesundheitsschädigung haftbar zu machen.
Absprachen zwischen KFOs:
Den Eindruck hatte ich bisweilen auch schon. Nicht in Großstädten, aber in einigen überschaubaren Orten. Auch dahingehend, dass ein KFO dem anderen keine Patienten wegnimmt.
Wenn dann eine berechtigte Zweitmeinung sucht, muss ins Umland oder die nächste Stadt fahren oder vor Ort einen Allgemein-ZA ausfindig machen, der auch KFO anbietet (was allerdings für Jugend-Behandlung seltener ist als für Kinderbehandlung oder für Korrekturschienen).

„Bei der sanften Methode ist es doch so, dass die KK nichts dazu zahlt, oder?“
Es gibt nicht DIE sanfte Methode, sondern mehrere.
Die ehemalige Standardmethode mit Platten und Aktivatoren (und ggf. auch Vorschubplatten oder Fränkel) ist nach wie vor Kassenleistung. Wenn keine Milchzähne mehr da sind, kann es allerdings vorkommen, dass ein Gutachter einen Feste-Spangen-freien Behandlungsplan abwürgt. Geschickte Anbieter schreiben dann sowas wie „Feste Spange bei Bedarf auf Nach-Antrag.“

Die heutige ganzheitliche Kieferorthopädie gebraucht dagegen Bionatoren und Crozat und manchmal noch Begleittherapien. Manche dieser Praxen sind Privatpraxen, was aber nicht gleichbedeutend mit „teuer“ ist. Eher werden Nicht-Fachkieferorthopäden wohl zusehends aus der Kassen-Kieferorthopädie herausgedrängt (außer in unterversorgten Landstrichen).
Ansonsten ließen sich Bionatoren durchaus unter dem Oberbegriff „FKO-Gerät“ auf Kasse abrechnen, und Crozat-Spangen unter dem Oberbegriff „Einzelkiefergerät“.

Auch konfektionierte Trainer, wie z.B. http://www.sanfte-zahnklammern.de/k3f/k3f.html, können in manchen Fällen heilsam sein können. Als Teil einer Behandlung mit Plan können sie vielleicht auch als FKO-Gerät verbucht werden kann, aber eher sind sie als „einfache Hilfsmittel“ ähnlich wie Mundvorhofplatten selbst zu zahlen.

Soweit für heute,
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Re: Zu spät, oder doch noch nicht?

Beitrag#5von Krokodil » 5. Sep 2012 12:59

Hallo Julemule,
vor 1 1/2 Jahren bin ich mit meinem Sohn (damals knapp 11) in einer kieferorthopädischen Praxis gewesen. Der Behandlungsplan sah u.a. Delaire-Maske und Gaumennahtsprengung vor. Nachdem ich mich über die Behandlung und die Konsequenzen informiert hatte, habe ich mich dort sofort verabschiedet. Wir sind dann zu einem Zahnarzt nach Aachen gefahren und haben uns dort beraten lassen. Statt Gaumennahtsprengung geht es auch wesentlich sanfter und schmerzfrei. Als kleiner Nebeneffekt war sogar bereits nach ein paar Wochen das nächtliche Schnarchen weg. Die beiden äußeren Schneidezähne oben standen komplett hinter der Reihe. Inzwischen sind ausreichende Lücken entstanden und einer der beiden Zähne hat sich schon einen Platz in der Lücke gesucht. Der andere ist noch nicht ganz angekommen. Die übrigen Zähne, die inzwischen gekommen sind, scheinen jetzt genügend Platz zu haben.

Wir haben keine Probleme, dass die lose Spange nicht getragen wird. Im Gegenteil: mein Sohn kennt die Alternativen (ich habe das damals mit ihm besprochen, um klar zu machen, dass er mitarbeiten muss) und ist froh, dass ihm die feste Spange erspart bleibt. Anfangs hat er die Spange auch zur Schule getragen, später dann aber nur noch nachts, weil das vollkommen ausreicht um nach fünf bis sechs Wochen die erforderliche Verschiebung zu erreichen. Bei Klassenfahrten und Ferienfreizeit konnte die Spange problemlos mal ein paar Tage zu Hause bleiben - diese Freiheiten sind auch Gold wert.

Die Kosten für die Behandlung mit losen Spangen liegt im Vergleich der beiden Kostenvoranschläge nur bei gut 50%. Die private Krankenkasse übernimmt die Kosten (wir hatten den ersten Plan schon eingereicht und haben dann den "günstigeren" nachgereicht). Wie es bei der gesetzlichen Krankenkasse aussieht, kann ich nicht sagen. Wir fahren ca. alle sechs Wochen zur Kontrolle nach Aachen - anfangs sind wir manchmal schon nach drei bis vier Wochen kurzfristig wieder hin, weil die Zähne schon so schnell die neue Position erreicht hatten und "weiter wollten". Zweimal ist in den 1 1/2 Jahren die Spange an einer Stelle gebrochen. Wir konnten dann die Spange per Post schicken und mussten nur zum Abholen zwecks Anpassung hin. Die Kosten für die Reparatur lagen einmal bei 50, einmal bei 100. Die private KV hat das aber erstattet. Mit der ersten Spange sind wir jetzt wohl bald fertig, mal gespannt, was dann kommt.

Unsere Kleine ist jetzt auch bald dran und ich werde mit ihr natürlich auch nach Aachen zur Behandlung fahren.

Ich kann die sanfte Methode nur empfehlen. Wenn die Kinder zur Mitarbeit bereit sind (und das sollten sie angesichts der Alternativen wohl sein), können sie so vor schwerwiegenden Schäden (körperlich und wahrscheinlich auch seelich) bewahrt werden.

Ich wünsche Euch viel Erfolg.

Krokodil
Krokodil
 

Re: Zu spät, oder doch noch nicht?

Beitrag#6von Gast » 6. Sep 2012 22:35

Hallo,

danke dir für deinen Bericht. Ich habe jetzt zwei Termine bei zwei anderen(von Larissa empfohlenen) KFOs ausgemacht, mal sehen was die sagen. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät, denn unsere Tochter ist ja schon einiges älter als dein Sohn.
Um die Mitarbeit mache ich mir eine Sorgen, daran wird es nicht scheitern, da bin ich mir ziemlich sicher.
Gast
 


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