Pseudo ganzheitlicher Schwindel: Feste Spange für 6-Jährige

Bei Anfragen wären folgende Angaben zur Person hilfreich:
A) Patient (Alter?)/ Eltern/ Lehrkräfte/ Zahnarzt / Zahntechniker/ Therapeuten o.ä.
B) Schon in Behandlung / Erst- bzw. Zweit-Behandlung suchend / unbetroffen interessiert o.ä.
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Pseudo ganzheitlicher Schwindel: Feste Spange für 6-Jährige

Beitrag#1von ruebezahl » 14. Mär 2010 15:07

Verehrte Gemeinde,
nachdem in 30 Jahren aktive Platten immer mehr von Bracket-Spangen verdrängt wurden, degradieren feste Einbauten jetzt auch in der Frühbehandlung Platten, Fränkel und Bionatoren zu schmückendem Beiwerk.
Das einstige Know-How über diese körperverträglichen Zahnspangen-Arten verkommt dabei, und sie können von angelernten Billigkräften statt von Zahntechnikern angefertigt werden. Das reicht hin, um damit den kassenmöglichen Behandlungszeitraum auszuschöpfen und vielleicht auch Schäden abklingen zu lassen, nachdem die Kinderkörper vorab mit Gewalt schnell in eine abrechenbare Form gezwungen wurden.
Besonders heimtückisch ist es, wenn auch Praxen, die sich „ganzheitlich“ nennen, bereits Frühbehandlungen dermaßen brutalisieren. Damit bringen solche Schwarzen Schafe auch seriöse ganzheitliche Praxen ins Zwielicht. Ähnlich wie beim Etikettenschwindel mit Bio-Produkten werden hier wenig informierte Laien angeschmiert.
Ein aktuelles Beispiel, nachdem bereits Behandlungspläne mit „erst Gaumennahtsprengung und Delaire-Maske, dann Funktionsregler 3“ für ebenso junge Kinder, aber bei Progenie vorgekommen sind: Ein Orthopäde überweist einen 6-Jährigen zum Kieferorthopäden mit Empfehlung eines Bionators.
Die Mutter hat ihn zu 2 Kieferorthopäden gebracht, 1 angeblich ganzheitlich und 1 konventionellen. Diagnose : beidseitiger Kreuzbiss mit maxillärer Kompression und Körperfehlhaltung (fachchinesisch spezifiziert).
Der konventionelle plante erst Gaumennahterweiterung (GNE) 4 Monate, dann 1 Jahr Retention mit herausnehmbaren Geräten, danach evtl. Bionator. Kosten max 800 € Zuzahlung.
Der pseudo-ganzheitliche plante: Expansion des Oberkiefers mit Quadhelix, symmetrische Einstellung des Bisses mit Onlays und dann Frühbehandlung mit Abschirmbionator, Zuzahlung 1200 €.
Und das am selben Ort, in einer größeren Stadt, was zeigt, dass man sich auf gesunde Konkurrenz nicht überall verlassen sollte. Hier wird deutlich, dass die harten Qual-Methoden nicht einmal einer (fragwürdigen) Zeitersparnis dienen sollen, um Patienten schneller durchzuschleusen.
Bracket-Spangen im Wechselgebiss verbreiten sich überdies, und die Altersgrenze für „Herbst-Scharnier statt FKO-Gerät oder Vorschub-Doppelplatten“ sinkt und sinkt. Soll gar Nachschub für das Marktsegment „Angstpatienten“ herangezüchtet werden?
Dehnplatten-Blues oder Dehnplatten-Könnerschaft? Ein Zahnarzt schwärmt von Bimler-Geräten zur Frühbehandlung: die würden besser dehnen als Dehnplatten, deren Passform im Laufe des Dehnens oft nachlässt. Außerdem brauchen sie nur nachts getragen zu werden.
Besser wirken Dehnplatten, wenn sie eine Memory-Schraube (Feder-Dehnschraube) haben. Aber da machen ihm die KVZen (kassenzahnärztlichen Vereinigungen) in Hessen, anders als z.B. in BaWü, unnötig ein destruktives Problem: statt einer vernünftigen Zuzahlungs-Regelung erstatten sie ganz (die billigste Lösung) oder gar nicht (mit Memory-Schraube z.B.). Selbst das nicht, was manche Kassen zahlen würden. Solche Alles-oder-nichts-Regelungen nähren doch die 2-Klassen-Medizin!
Ein Zahntechniker anderswo stellte fest, dass alte DDR-Kieferorthopäden mit seinen gleichen Spangen noch Korrekturen hinbekommen, worüber ihre Kollegen im Westen nur staunen. In der DDR haben sie offenbar noch gelernt, herausnehmbare Spangen sorfältig nach-anzupassen.
Ob der Passform-Verlust von Dehnplatten, wenn Behandler nicht mehr wissen, wie man sie nachstellt, der GNE-Verbreitung Vorschub leistet? Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Dozenten und Vertreter undifferenziert behaupten „Dehnplatten versagen!“, um für GNE oder Quadhelixe bei immer jüngeren Kindern zu werben, wie das Doppel-Beispiel zeigt.

Schließlich hatte ich neulich mit einem Zahnarzt (Bekannter einer Bekannten) telefoniert, der leider mit Kieferorthopädie aufgehört hat. Es klang für mich, als hätte er nach den dortigen Regelungen entweder ganz oder gar nicht Kieferorthopädie machen dürfen. Nun repariert er noch mit Schienen, was die Feste-Spangen-Behandlung von anderen an Kindern und Erwachsenen kaputtgemacht hat. Ein Jammer !
Soviel zur Lage der Nation,
Dr. Larissa Dloczik
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