KFO für Schwellenländer: handwerklich oder Brackets (Fertigteile)?

Bei Anfragen wären folgende Angaben zur Person hilfreich:
A) Patient (Alter?)/ Eltern/ Lehrkräfte/ Zahnarzt / Zahntechniker/ Therapeuten o.ä.
B) Schon in Behandlung / Erst- bzw. Zweit-Behandlung suchend / unbetroffen interessiert o.ä.
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KFO für Schwellenländer: handwerklich oder Brackets (Fertigteile)?

Beitrag#1von ruebezahl » 28. Okt 2014 17:27

Liebe Leser,
Hersteller können an Brackets und Co., dieser Vielzahl von Präzisions-Fertigteilen, um Größenordnungen mehr verdienen als an den Zutaten, die es für herausnehmbare Zahnspangen braucht (Draht, Plastik, Dehn- und Spezialschrauben).
In ihren Kursangeboten haben sie diese schon seit Jahren aus ihrer hierzulande letzten Bastion, der Frühbehandlung, verdrängt, und bieten stattdessen Fortbildung in Gaumennahtsprengung und Außenspangen (Headgear, Delaire-Maske).

Wo sehen diese Hersteller in diesen Zeiten der hemmungslosen Profitmaximierung wohl ihre künftigen Absatzmärkte? Während nicht mehr so viele Deutsche noch Geld auf ihrer hohen Kante haben, nimmt die Anzahl von Besserverdienenden in Schwellenländern und neuen EU-Beitrittsländern zu. Diese mögen sich an ihren schiefen Zähnen oder denen ihrer Kinder stören. Aber wenn in jenen Ländern von früher noch Kenntnisse der vergleichsweise unlukrativen, handwerklichen „herausnehmbaren“ Kieferorthopädie vorhanden sind? Gerade auch, weil handwerkliche Arbeit dort wenig kostet? Wohlgemerkt nahmen die aktiven Platten ihren Anfang als preisgünstige Volks-Kieferorthopädie. Später konstruierten Bimler, Stockfisch und andere in der Not der Nachkriegszeit mit sparsamen Mitteln funktionskieferorthopädische Geräte, die abwegige Gebissentwicklungen in der Wachstumsphase normalisierten. An diese Entwicklungslinie der Tragezeit-freundlichen Kaugummieffekt-Geräte könnten heute die unzerbrechlichen konfektionierten Trainer anknüpfen, deren erhältliche Sortimente längst nicht ausgereizt sind.

Aber träumen wir nicht, wenn die harte Wirklichkeit zuschlägt:
Offenbar läuten Bracket-Hersteller die nächste Runde ein und heuern abermals Lobbyisten, die andere Methoden madig machen und letztendlich demontieren sollen! Zu Wasser, zu Lande und zur Luft. Soll heißen: auf Fachkongressen, in Fachpublikationen und in Massenmedien.
Schon seit Jahren ärgert mich, wenn mich in Jugend-Medien demonstrativ Metallmäuler anspringen, obwohl es um ganz andere Themen geht, wie z.B. Reisen, Jobs oder Studienplatzwahl. Ob KFO-Fachverbände hier Redaktionen, die knapp bei Kasse sind, mit kostenlosem Fotomaterial beschicken?

Dadurch ziehen die Auffassungen der Profit-Orthodontie in die Köpfe wie Rauch durch die Ritzen. Z.B., dass die einzig brauchbare „herausnehmbare Spange“ der Headgear sei, oder dass schmerzhafte Gaumennahtsprengungen an kleinen Kindern in Ordnung wären.
Tatsächlich hatte ich neulich wieder einmal eine Ratsuchende (für ihre Kinder), die Headgear-geschädigt war. Die Ankerzähne dafür waren abgestorben und später gezogen worden.

Angesichts solch unbequemer Wahrheiten wird nun eine neue Marketing-Masche ins Spiel gebracht: Gebissregulierung nicht mehr mit medizinischem Anspruch, sondern als pures Lifestyle-Produkt zu vermarkten. Damit die künftige Kundschaft über Risiko-Abwägungen und über Schmerzen erhaben ist (man vergleiche mit Schönheits-Operationen).

Feste versus herausnehmbare Zahnspangen im Länder-Vergleich:
mein Datenmaterial hierzu ist spärlich, aber dennoch wert, es mitzuteilen.

Große Staaten wie Deutschland, Frankreich, Spanien oder Italien haben offenbar stark Bracket-belastete und gering Bracket-belastete Landstriche.

Ältere Funde und Beobachtungen:
In Rumänien würde noch an herausnehmbaren Spangen ausgebildet.
Bolivien: mehr Platten als Bracket-Spangen; in großen Teilen Südamerikas sind nordamerikanische Firmen suspekt?
Norwegen, Feriensiedlung: einheimische Kinder schrauben ihre aktiven Platten.
Dänemark: Headgear in Schulbus gesichtet.
Österreich: von Brutal-Propagierern erobert ...
Bracket-Euphorie in Israel ... Ob sie dort deutsche Autos fahren, oder gar nichts Deutsches mögen?
Auch oder gerade, wer Geld hat, kriegt nur Brutal-Schrott geboten in:
Südafrika, Malaysia, Guatemala ...

Neueren Datums:
Mitteilung aus Holland, wo lose Spangen auch längst ins Hintertreffen geraten waren: „Knochenpiercing statt Headgear“ in führender Wochen-Zeitung.
Hier im Sanssouci-Park:
Eine Taekwondo-Klasse (Südkorea): bracketfrei.
Hingegen kahle Mönche in senffarbenen Gewändern (woher?), dabei ein etwa 13-jähriger Junge, noch überwiegend in Zivil, aber: Brackets!

Mitteilung aus Polen (Warschau): „Hier scheinen herausnehmbare Zahnspangen noch wesentlich weiter verbreitet zu sein als in Deutschland.“
Gesichtet bei vietnamesischer (Touristen-)Familie: konfektionierte Trainer. Und Zähneputzen schön preisgünstig mit Salz soll dort auch üblich sein ...

Soweit für heute, Rübezahl
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