Headgear, Distal Jet oder Extraktion? ERPRESSUNG!

Bei Anfragen wären folgende Angaben zur Person hilfreich:
A) Patient (Alter?)/ Eltern/ Lehrkräfte/ Zahnarzt / Zahntechniker/ Therapeuten o.ä.
B) Schon in Behandlung / Erst- bzw. Zweit-Behandlung suchend / unbetroffen interessiert o.ä.
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Headgear, Distal Jet oder Extraktion? ERPRESSUNG!

Beitrag#1von ruebezahl » 18. Mai 2007 12:56

Liebe Leser,

diese Art kieferorthopädischer Erpressung häuft sich wirklich. Vor kaum mehr als 2 Monaten hatte ich den letzten Fall öffentlich, dort mit Pendulum statt Distal Jet. Beide sind hinderliche, fest unter dem Gaumen eingebaute Plastikdinger, für die einige Hundert Euro Zuzahlung erpresst werden! Nur dafür, dass sie die hintersten Zähne nach hinten zwingen, ebenso wie in Kassen-Leistung das Mittelalter-artige Requisit Headgear. Und wie wird dann mit den übrigen Zähnen weiter verfahren?
Dass ein integrierter Platzgewinn durch Anregung des Kieferwachstums auch möglich wäre, statt dieses bloße, weisheitszahnschädliche und schmerzhafte Nach-hinten-Verschieben von Platzmangel, wird von solchen Erpressern notorisch verschwiegen. Dabei gab es das über 50 Jahre lang, z.B. mit Y-Platten, Z-Platten oder Funktionsreglern, ebenfalls Kassenleistung. Z. B. wurden bei einer Sportkollegin von mir beengte Vampir-Eckzähne langsam, aber sicher mit solchen Schrauber-Platten eingeordnet. Inzwischen ist sie in meinem Alter, gute Zähne, Ergebnis stabil! Gerade fand ich eine tatkräftige aktive Platte bei
http://www.ahrberg-dental.de/html/kieferorthopadie.html
auch wenn diese nur einer einseitigen Lückenöffnung dient. Auch ihr glatt ausgerundeter Vorderrand, der keinen Zahnschiefstand abbildet, weist darauf hin, dass sie eine Vollversion ist und keine von diesen Alibi-Spangen, die routinemäßig von festen Spangen gefolgt werden.

Aber als der Headgear erfunden und mit der Feste-Spangen-Technologie verflochten wurde, gab es diese Spangen-Typen noch gar nicht.
Und heute gibt es sie wohl nur noch bei wenigen Kieferorthopäden (ich führe dazu eine Weiße Liste).
Während die erpresserische Sorte als dritte Wahl manchmal noch Zähneziehen (Extraktion) anbietet. Dazu die salomonische Aussage eines alten Professors:
„Zähneziehen sollte NICHT von der Behandlungsmethode abhängig gemacht werden!“
Aber jene sehen Kinder offenbar nur noch als Rohstoff an, aus dem es möglichst effizient Profit zu schlagen gilt? Häufig ist dann die Rede vom Ziehen der oberen 4er. Werden dann deren Lücken (heute in aller Regel mit festen Spangen) zusammengezurrt, dann resultiert nicht nur eine eingedrückte Oberlippenpartie und ein eingeengter Zungenraum, sondern im Backenzahnbereich wird eine UK-Rücklage-Verzahnung erzeugt bzw. erhalten. Bei dieser sind die „Stößel“ der oberen Mahlzähne nicht in den „Mörsern“ der rechteckigen unteren. Je nach individueller Zahnform können die Mahlzähne dadurch vorzeitig verschleißen.

Bei der Erwachsenen-Behandlung muss man Kompromisse machen. Aber bei Kindern, manchmal schon im Alter von 9 Jahren, ist dieses Vorgehen mutwillige Verstümmelung!

Bitte weiterverbreiten. Es sind eure Kinder, und es ist euer Geld.
Adressensuch-Hilfe bei mir, aber lieber rechtzeitig.
Hordeotech
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Wie das Kaninchen auf die Schlange

Beitrag#2von ruebezahl » 2. Dez 2007 21:37

Liebe Leser,

da fand ich wieder so einen Fall, wo die Eltern zwar nicht gewillt waren, 1200 Euro ratenweise im Voraus abzulatzen, damit ihre Tochter dann nach 2 Jahren herausnehmbarer Spange eine ordentliche feste kriegen kann.
Ansonsten hat jener Behandler angedroht, dass ihr Kind einen Headgear tragen müsste. Ein anderer Arzt sagte anderswo „Behandle jedes Kind, als ob es dein eigenes wäre“, aber diese Ärzte-Art steht wohl auf der roten Liste bedrohter Arten.
Zurück zum Fall, will sich jener Vater nicht erpressen lassen, sondern die Zuzahlungsleistungen einzeln auswählen, und laut Auskunft der Krankenkasse müssen die Privat-Kostenpositionen auch aufgelistet werden. Das Fordern von hohen Zuzahlungen zu eigentlich kassengezahlten Behandlungen sei doch in den letzten Jahren ausgeufert (da haben die Kassen ja auch gekürzt) ... aber noch weiter zurück reicht sein Gedächtnis wohl nicht. Sonst würde er vielleicht wissen, dass früher feste Spangen die Ausnahme waren, und dass man im rechten Alter mit einer herausnehmbaren Spange in 2 Jahren sehr viel schaffen könnte, WENN sie entsprechend konstruiert wäre (siehe http://www.sanfte-zahnklammern.de/fallb ... beisp.html), während sie hier wohl nur als unverstellbarer Platzhalter gedacht ist, der weder Zähneziehen noch den Einsatz eines Headgears vermeiden, sondern nur zum Zeitschinden bis zum Einbau der profitablen festen Spange dienen soll.
Anderswo hatte sich ein Kinderzahnarzt neulich darüber mokiert, wie viele Kinder schon früh eine herausnehmbare Spange kriegen – und 2 Jahre später dann eine komplette feste.
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Pendulum-Stückwerk zur Behandlungsmaximierung

Beitrag#3von ruebezahl » 22. Mai 2013 08:50

Ein konkreter Fall, wo ein Pendulum Probleme vermehrt statt verringert hat, steht hier in den Nachträgen vom 22.05.13
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Re: Headgear, Distal Jet oder Extraktion? ERPRESSUNG!

Beitrag#4von norbert » 22. Aug 2014 12:14

"Dass ein integrierter Platzgewinn durch Anregung des Kieferwachstums auch möglich wäre, statt dieses bloße, weisheitszahnschädliche und schmerzhafte Nach-hinten-Verschieben von Platzmangel, wird von solchen Erpressern notorisch verschwiegen. Dabei gab es das über 50 Jahre lang, z.B. mit Y-Platten, Z-Platten oder Funktionsreglern, ebenfalls Kassenleistung. Z. B. wurden bei einer Sportkollegin von mir beengte Vampir-Eckzähne langsam, aber sicher mit solchen Schrauber-Platten eingeordnet. Inzwischen ist sie in meinem Alter, gute Zähne, Ergebnis stabil!"

Zu Distal-Jet und Pendulum und den Weisheitszähnen.

Auf einem Kongress wurden in einem Vortrag diese Gerätschaften vorgestell mit keinem Wort in wieweit das Einfluss auf die Weisheitszähne hat. Da hat sich ein empörter Prof. Tränkmann erhoben und eingewendet ohne Extraktion der Weisheitszähne ist das Distalisieren der Molaren in dem maße ein Kunstfehler.

Ein sehr ungewöhnliches Erlebnis, denn normalerweise wird Kritik bis zur Unkenntlichkeit verklausuliert unter Medizinern.

Gruß Norbert
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Weisheitszähne sind auch Zahnkapital

Beitrag#5von ruebezahl » 25. Aug 2014 09:43

Werte Aktive, Hallo Norbert,
Kongress-Beispiele wie dieses meinte ich mit der „Effekthascherei, bei der kein Hahn nach dem langfristigem Gesundheitsnutzen kräht.“, wie ich es kürzlich in Ihrem
Funktionelle-Orthopädie-Thema geschrieben habe. Es gibt so viele Machbarkeits-Fetischisten heutzutage!
Deswegen wird wohl generell zu viel operiert: die Wirkung einer OP ist schnell da. Die Erwägung der Risiken, die meist höher sind als bei nichtoperativen Methoden, und die Erwägung, wie viel man hätte vorbeugen können, fallen dann leicht unter den Tisch.

Bei dieser Gelegenheit will ich den Link aus dem alten Forum zu dem Pendulum-geschädigten Patienten aktualisieren: izz-info-basis-fur-zwanglose-zahnspangen-hauptforum-f1/zahneziehen-krankmachende-schrottmethoden-sterben-nicht-aus-t419.html
Außerdem habe ich kürzlich einer Familie geholfen, deren Mutter sich über 20 Jahre nach ihrer Behandlung Headgear-Schäden an ihren 6ern zeigten (Headgear im Alter von 20, schmerzhaft). Außerdem schon seit Jahren Verspannungen.
Feste Spangen kommen ihren Kindern daher nicht in den Mund. Punkt.
Ihr einer 6er kämpft noch um sein Leben, der andere starb schon vor Jahren nach einer kleinen Füllung ab. Er blieb viele Jahre subakut, wurde dann wurzelbehandelt, was die Beschwerden aber eher verstärkte. Die Hauszahnärztin fand nichts, ein ganzheitlicher Zahnarzt stellte hingegen in kurzer Zeit fest, dass die Wurzel vereitert war: und raus den Zahn, damit da endlich Ruhe einkehrt...


Prof. Tränkmann:
hat auch Herbstscharnier-Propagierern (auch zur Erwachsenen-Behandlung) nach ihrem Vortrag unverblümt Contra gegeben.

Was Weisheitszähne angeht, so habe ich von ihm aber ein Buch über Platten-Behandlungen, und darin werden sie zu Behandlungsabschluss routinemäßig herausoperiert. Was an der Klinik, wo er tätig war, wohl stets verfügbar war, aber damals auch im Zeitgeist lag: Weisheitszähne als Relikt der Höhlenmenschen-Zeit ...
Auch bei Schulkameraden, die Zahnspangen hatten, war die „Dicke-Backe-OP“ damals beim leisesten Anflug von Enge üblich (80er Jahre, Westfalen). Ich selber war als Spätzahner zu Behandlungsabschluss schon so erwachsen, dass ich meinen KFO da hinhalten konnte, und später noch 3 weitere ZÄ, die mich aufschneiden wollten.
Einmal Spätzahner, immer Spätzahner: einen meiner bedrohten Weisheitszähne habe ich inzwischen. Der regte sich, als durch Austausch einer klobigen Füllung ein Hauch Platz entstanden war. Da war ich 44!

Also, lasst euch nicht so einfach aufschneiden!
Rübezahl
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Re: Headgear, Distal Jet oder Extraktion? ERPRESSUNG!

Beitrag#6von norbert » 25. Aug 2014 10:46

Prof. Tränkmann kann man getrost als den prominenten Kieferorthopäden bezeichnen der sein Handeln am Kind orrientiert hat und ihm keinesfalls Schaden zufügen wollte und das ist schon fast ein Alleinstellungsmerkmal.
Auch mit den Weisheitszähnen ist er verantwortungsvoll umgegangen. Wenn absehbar war man muss Platz nach Distal gewinnen um ein stabiles Ergebnis zu erreichen, hat er dafür plädiert bereits den Keim zu entfernen und nicht abzuwarten bis eine größere OP notwendig ist.
Der Mann war schon toll seine Verdienste über die Behandlung von Spaltpatienten sind sehr groß. Bei Kindern in der Sprachentwicklung wurden wenn eine Oberkieferspange notwendig war diese immer mit eingearbeiteten Gaumenfalten hergestellt. Das braucht die Zunge zur Orientierung. Er hat sehr großen Wert auf muskuläre Zusammenhänge gelegt also Myofunktionen.

Das ist kein Plädoyer gegen die Aussage "Leute lasst euch nicht so einfach aufschneiden" sondern für Prof. Tränkmann den ich sehr verehre.

Gruß Norbert
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Patientenorientierte KFO-Behandlung

Beitrag#7von ruebezahl » 25. Aug 2014 17:37

Liebe Bastler und Tüftler,
zugegeben, Tränkmanns Buch „Die Plattenapparatur in der Kieferorthopädie“ ist von 1985, also nun fast 30 Jahre alt. Etwa aus der Zeit, als die Commodore 64 Heimcomputer in Mode waren, da war ich kurz vor meinem Abitur.
Später hat er sich für die myofunktionelle Therapie stark gemacht, die apparate-arme oder gar apparatelose Kieferorthopädie ermöglicht. Auch die Kommerzialisierung der universitären Geldquellen und das Gerangel um den „Patientenkuchen“ hat er beklagt.

Die in seinem Buch zusammengetragenen Patientenbeispiele stammen also aus der Zeit vor 1985. So ist auf diesen Schwarz-Weiß-Fotos auch noch jede Menge Amalgam zu sehen.
Spaltpatienten sind auch dabei. An denen blieben sie damals kontinuierlich dran, wie ich auch aus anderen Artikeln von ihm weiß.
Wenn man hingegen heute eine Uni-Klinik aufsucht in der Hoffung, die würden ihre Methoden nicht so nach Profit ausrichten wie so manche schicke Praxis, hat man sich oft geschnitten.
Es gibt Artikel, da lassen sie Spaltpatienten „ins Kraut wachsen lassen“, um dann mit harten Methoden, z.B. Gaumennahtsprengung und Delaire-Maske, draufzuknüppeln (egal, wieviel Naht ein Spaltpatient da überhaupt hat). Dann wieder eine Weile „ins Kraut wachsen lassen“ (ohne an den Funktionen gearbeitet zu haben), dann wieder Brutalmethoden – also die oben genannte, prestige-trächtige Effekthascherei.
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